Diesel springt nicht an: Luft im Kraftstoffsystem und wie man sie entlüftet
Woher die Luft kommt, warum der Motor kurz anspringt und wieder ausgeht, die Entlüftung Schritt für Schritt und was zu tun ist, wenn er danach immer noch nicht anspringt.
Ein Schiffsdiesel springt aufgrund zweier Dinge an: Verdichtung und Kraftstoff. Die Verdichtung geht langsam verloren und kündigt sich vorher an. Der Kraftstoff fällt schlagartig aus, und in neun von zehn Fällen ist Luft in der Leitung die Ursache.
Die gute Nachricht: Das lässt sich in einer halben Stunde selbst beheben, ohne Werkzeug, das komplizierter wäre als ein 13er-Schlüssel.
Wie man erkennt, dass es an der Luft liegt
Die Anzeichen sind eindeutig:
- Der Motor dreht munter durch, springt aber überhaupt nicht an.
- Oder er springt für eine Sekunde an und geht wieder aus — der Kraftstoff reichte genau für das, was noch in den Einspritzdüsen war.
- Oder er läuft unrund, ruckelt und geht unter Last aus, hält sich aber im Leerlauf.
- Im durchsichtigen Filterglas sind Blasen zu sehen — das ist keine Vermutung mehr, sondern ein Fakt.
Dreht der Motor dagegen nur schwach durch und klickt dabei — dann liegt es nicht am Kraftstoff, sondern an der Batterie. Dazu ein eigener Artikel.
Woher die Luft kommt
Bevor man entlüftet, sollte man die Ursache verstehen — sonst wiederholt sich alles am nächsten Tag.
- Der Tank ist leer. Die häufigste und ärgerlichste Ursache. Die Füllstandsanzeige an Bord lügt fast immer.
- Der Filter wurde gewechselt und danach nicht entlüftet.
- Falschluft auf der Saugseite — ein rissiger Schlauch, ein ausgetrockneter Dichtring am Filterdeckel, eine lockere Schlauchschelle. Hier tritt kein Kraftstoff nach außen aus, sondern Luft dringt ein: Ein Leck werden Sie nicht sehen.
- Die Ansaugung vom Tankboden hat Schmutz aufgewirbelt, der Filter ist verstopft, und die Pumpe hat durch den Unterdruck Luft angesaugt.
- Die Dichtung an der Kraftstoff-Förderpumpe hat sich gelockert.
Zum Dichtring am Filterdeckel gesondert: Er muss bei jedem Filterwechsel erneuert werden, nicht erst „wenn er reißt". Er kostet fast nichts, und Falschluft durch ihn ist die häufigste Ursache für ein wiederkehrendes Problem.
Entlüftung Schritt für Schritt
Der Ablauf ist bei den meisten Motoren derselbe. Unterschiedlich ist nur die Anordnung der Teile, nicht die Logik.
1. Vergewissern Sie sich, dass Kraftstoff vorhanden ist. Öffnen Sie den Hahn am Tank. Prüfen Sie den Stand mit dem Peilstab oder durch den Einfüllstutzen, nicht anhand der Anzeige.
2. Finden Sie die manuelle Förderpumpe. Meist ein Hebel oder ein geriffelter Pilzknopf am Gehäuse der Kraftstoffpumpe oder in der Nähe des Filters.
3. Finden Sie die Entlüftungsschraube am Filter. Lösen Sie sie um ein paar Umdrehungen, halten Sie einen Lappen darunter.
4. Pumpen Sie, bis der Kraftstoff blasenfrei austritt. Zuerst zischt Luft, dann kommt Schaum, dann ein gleichmäßiger Strahl. Ziehen Sie die Schraube an, bevor der Schaum vollständig verschwunden ist — sonst pumpen Sie den ganzen Tank durch den Lappen.
5. Gehen Sie zur nächsten Schraube in Strömungsrichtung — meist an der Hochdruck-Kraftstoffpumpe. Wiederholen Sie den Vorgang.
6. Springt der Motor immer noch nicht an, entlüften Sie die Einspritzdüsen. Lösen Sie die Überwurfmutter der Hochdruckleitung an einer oder zwei Düsen um eine halbe Umdrehung, betätigen Sie den Anlasser in kurzen Versuchen, bis Kraftstoff austritt, und ziehen Sie an.
Wichtig: den Anlasser nicht länger als zehn bis fünfzehn Sekunden am Stück betätigen, mit Pausen von mindestens einer Minute. Sonst überhitzt er selbst, danach entlädt sich die Batterie, und Sie haben ein zweites Problem obendrauf.
Zu modernen Motoren
Bei vielen neueren Dieselmotoren gibt es keine Handpumpe, die Entlüftung erfolgt über die elektrische Pumpe bei eingeschalteter Zündung. Der Ablauf bleibt gleich, nur tritt an die Stelle des Hebels das Drehen des Schlüssels.
Und bei einem Teil der Motoren mit Common-Rail-System ist eine eigenständige Entlüftung der Einspritzdüsen gar nicht vorgesehen: Der Hersteller untersagt ausdrücklich, die Leitungen zu lösen. Haben Sie einen solchen Motor, gehen Sie nicht über den Filter hinaus und rufen Sie den Service.
Schauen Sie ins Handbuch, bevor Sie zum Schlüssel greifen. Das ist einer der Fälle, in denen fünf Minuten Lesen einen ganzen Tag sparen.
Entlüftet, aber er springt immer noch nicht an
Dann prüfen Sie der Reihe nach, vom Einfachen zum Komplizierten:
- Kommt der Kraftstoff tatsächlich an? Ziehen Sie den Schlauch vor der Pumpe ab und pumpen Sie: Läuft etwas — weiter geht's, läuft nichts — nach einer Verstopfung oder einem geschlossenen Hahn suchen.
- Ist der Filter nicht verstopft? Ein verstopfter Filter erzeugt dasselbe Bild wie Luft.
- Ist Wasser im Wasserabscheider? Die meisten Filter haben unten eine durchsichtige Kammer. Wasser ist als eigene Schicht erkennbar.
- Schaltet das Stopp-Magnetventil? Es sperrt die Zufuhr. Klickt es beim Drehen des Schlüssels nicht — springt der Motor nicht an, egal wie viel Sie pumpen.
- Verdichtung. Ist alles Genannte in Ordnung, liegt es nicht mehr am Kraftstoff, und hier beginnt der Fall für den Service.
Was an Bord bereitliegen sollte, damit sich das nicht wiederholt
Ein kleines Set, das in eine Tüte passt:
- Ein kompletter Kraftstofffilter und der Dichtring für den Deckel dazu.
- Ein Satz Schlauchschellen.
- Ein Stück Kraftstoffschlauch im passenden Durchmesser, etwa anderthalb Meter.
- Lappen und ein Auffanggefäß.
Mehr darüber, was generell an Bord mitgeführt werden sollte — im Artikel über den Ersatzteilvorrat an Bord.
Was fotografieren, wenn ein Ersatzteil gebraucht wird
Kraftstofffilter sind nicht universell: Gewinde, Passform und Filterfeinheit sind entscheidend.
- Das Typenschild des Motors, groß fotografiert — Hersteller, Modell, Seriennummer. Wie man es liest und fotografiert.
- Den alten Filter mit lesbarer Kennzeichnung, von allen Seiten.
- Den Einbauort — erkennbar der Sitz und wie viel Platz oben zum Abnehmen bleibt.
- Den abgenommenen Dichtring neben einem Lineal.
Mit diesem Satz an Fotos lassen sich sowohl Filter als auch Dichtring bestimmen, selbst wenn die Originalposition längst nicht mehr produziert wird.
Kurz gefasst
Der Motor ist angesprungen und gleich wieder ausgegangen — fast sicher Luft. Entlüften Sie in Strömungsrichtung: Filter, Pumpe, bei Bedarf die Einspritzdüsen. Aber finden Sie unbedingt heraus, woher die Luft kam, sonst wiederholt sich alles morgen. Meistens ist es der Dichtring am Filterdeckel, der weniger kostet als eine Tasse Kaffee.