Seeventile und Seewasserarmaturen: was zu prüfen ist und wann zu erneuern
Die einzige Baugruppe an Bord, deren Versagen das Schiff am Liegeplatz versenkt. Wie man sie prüft, was grüner Belag auf Bronze bedeutet und warum die Holzpfropfen griffbereit hängen müssen.
Ein Schiff sinkt häufiger am Liegeplatz als im Sturm. Und fast immer durch eine Öffnung unterhalb der Wasserlinie: einen geplatzten Schlauch, ein zerbröckeltes Ventil, einen gerissenen Stutzen.
Das ist die einzige Baugruppe, bei der „hält noch bis zur nächsten Saison" ein schlechter Gedanke ist. Schauen wir uns an, worauf zu achten ist und wann erneuert werden muss.
Woraus eine Seewasserdurchführung besteht
Drei Teile, und jedes davon kann das schwache Glied sein.
- Der Durchführungsstutzen — ein Rohr durch den Rumpf, innen mit einer Mutter.
- Das Seeventil — das eigentliche Ventil. Es gibt Kugelhähne (Hebel, Vierteldrehung) oder Kegelventile.
- Schlauch und Schellen — vom Ventil zum Verbraucher.
Der Anfängerfehler ist, das Ventil zu prüfen und den Schlauch nicht anzurühren. Beide können das Schiff gleich zuverlässig versenken.
Was zu prüfen ist und wie oft
Bei jeder Ausfahrt
Gehen Sie alle Seeventile mit dem Blick durch. Es sind meist vier bis zehn: Motor, Toilette (zwei), Waschbecken, Cockpit, Logge, Echolot, Klimaanlage. Man muss auswendig wissen, wo sie alle sitzen — sie im Dunkeln mit der Taschenlampe zu suchen, kommt zu spät.
Einmal im Monat, während das Schiff im Wasser liegt
Drehen Sie jedes Ventil bis zum Anschlag und wieder zurück. Kugelhähne fallen genau deshalb aus, weil sie jahrelang in derselben Stellung verharren und festsitzen. Geht die Drehung schwer, ist das bereits ein Warnsignal.
Tasten Sie die Schläuche auf ganzer Länge ab, besonders an den Schellen und in den Biegungen. Wird der Schlauch hart, rissig oder bildet er Blasen — dann muss er erneuert werden.
Prüfen Sie die Schellen. Nur Edelstahl, und nur mit geschlossenem Band. Eine verzinkte Schelle im Bilgenraum zerfällt binnen einer Saison zu Rost.
Einmal pro Saison, wenn das Schiff aus dem Wasser ist
Untersuchen Sie die Stutzen von außen und innen. Bronze entzinkt mit der Zeit: Das Messing verliert Zink, zurück bleibt poröses Kupfer. Das Anzeichen ist ein rötlich-kupferfarbener oder grünlich-weißer, krümeliger Belag und beim Anklopfen ein dumpfer statt eines klaren Klangs. Ein solcher Stutzen lässt sich mit der Hand zerbrechen. Das Urteil steht fest: erneuern.
Prüfen Sie die Erdung, sofern sie konstruktiv vorgesehen ist.
Erneuern Sie die Verschleißteile der Toilette — dort tritt das Wasser meist zuerst aus.
Was zu erneuern ist und wann
- Schläuche — je nach Zustand, üblicherweise alle fünf bis sieben Jahre. Nur ein Schlauch, der für Seewasser ausgelegt und verstärkt ist. Ein Garten- oder Kraftstoffschlauch ist ungeeignet.
- Schellen — bei jedem Schlauchwechsel, jeweils zwei pro Verbindung unterhalb der Wasserlinie.
- Kugelhähne — wenn sie schwergängig werden und Schmieren nicht mehr hilft.
- Bronzestutzen — bei den ersten Anzeichen von Entzinkung, ohne zu zögern.
- Dichtungen — zusammen mit der Armatur.
Gesondert: Verbauen Sie niemals unterschiedliche Metalle nebeneinander. Ein Bronzeventil an einem Edelstahlstutzen bildet ein galvanisches Element, das sich binnen weniger Saisons selbst auffrisst.
Holzpfropfen
In jedem Sicherheitshandbuch steht dasselbe, und das ist einer der Fälle, in denen es zu Recht so steht: An jeder Seewasserdurchführung muss ein hölzerner Kegelpfropfen hängen, direkt daneben an einer Schnur befestigt.
Er kostet fast nichts. Er wird mit dem Hammer in zehn Sekunden in einen geplatzten Stutzen getrieben. Er rettet das Schiff.
Prüfen Sie, dass der Pfropfen im Durchmesser genau zu dieser Öffnung passt, nicht nur „ungefähr". Und dass er tatsächlich am Platz hängt, nicht in der Werkzeugkiste unter allem anderen.
Wenn es gerade jetzt undicht ist
- Finden Sie die Quelle. Verfolgen Sie das Wasser aufwärts: erst die Bilge, dann die nächstgelegenen Seewasserdurchführungen.
- Schließen Sie das Seeventil. Lässt sich das Ventil nicht drehen — treiben Sie den Pfropfen ein.
- Schalten Sie die Pumpe ein und beobachten Sie, ob sie dem Wasser Herr wird. Schafft sie es nicht — rufen Sie Hilfe, ohne weiter nach der Ursache zu suchen.
- Erst danach suchen Sie nach der Ursache.
Was zu erfassen ist, wenn ein Ersatzteil benötigt wird
Seewasserarmaturen sind selten „universell": entscheidend sind Durchmesser, Gewindetyp, Stutzenlänge und die Rumpfdicke an dieser Stelle.
- Das ausgebaute Teil neben einem Lineal, von beiden Seiten fotografiert.
- Das Gewinde in Nahaufnahme — daran werden Typ und Steigung bestimmt.
- Die Einbaustelle von der Innenseite, um die Anordnung zu verstehen.
- Das Typenschild des Schiffs oder Modell und Baujahr — daran lässt sich oft ablesen, was werkseitig verbaut war.
Mit diesen Angaben lässt sich sogar finden, was längst nicht mehr im Katalog steht: Seewasserarmaturen haben eine lange Baureihe, und eine kompatible Position findet sich fast immer.
Kurz gefasst
Einmal im Monat jedes Ventil drehen und jeden Schlauch abtasten — fünfzehn Minuten, die mehr wert sind als jede andere Wartungsarbeit an Bord. Und die Pfropfen. Die Pfropfen müssen hängen.