Der Polarkodex erreicht Yachten: die 300-Tonnen-Schwelle und was sie ändert
Seit dem 1. Januar 2026 gelten die Anforderungen an die Navigationssicherheit und Reiseplanung auch für Vergnügungsyachten ab 300 GT. Wen das betrifft, was vor dem Auslaufen zu erledigen ist und warum die Bruttoraumzahl kein Gewicht ist.
Der Polarkodex wurde für Handelsschiffe geschrieben und betraf Yachteigner lange nicht. Seit dem 1. Januar 2026 hat sich das geändert: Die Anforderungen an Navigationssicherheit und Reiseplanung gelten nun auch für Vergnügungsyachten mit einer Bruttoraumzahl ab 300 GT.
Das bedeutet nicht, dass die Arktis jetzt tabu wäre. Es bedeutet, dass die Vorbereitung der Überfahrt zu einem formalen Verfahren mit Dokumenten geworden ist, nicht mehr nur eine Frage des gesunden Menschenverstands des Kapitäns.
Wen betrifft es
Die Schwelle ist eindeutig: 300 GT und mehr.
Und genau hier passiert der häufigste Fehler. GT sind weder Tonnen noch Verdrängung. Die Bruttoraumzahl ist eine dimensionslose Größe, berechnet aus dem Volumen der geschlossenen Räume des Schiffes. Eine Yacht, die deutlich weniger als dreihundert Tonnen „wiegt“, kann durchaus 300 GT und mehr erreichen — durch das Volumen des Aufbaus und der Innenräume.
Wo man nachsieht: im Vermessungszeugnis, nicht nach Augenmaß und nicht laut Werftkatalog. Eine Zeile entscheidet, ob man unter die Anforderungen fällt oder nicht.
Zusätzlich lohnt es sich zu wissen, dass dieselben Änderungen auch Fischereifahrzeuge ab 24 Metern Länge erfassen. Für den Yachtleser ist das indirekt wichtig: Es zeigt, dass der Regulierer die Polaranforderungen bewusst über die Handelsflotte hinaus ausweitet.
Was genau gefordert wird
Der Kodex deckt zwei Bereiche ab, und beide betreffen die Vorbereitung, nicht die Ausrüstung an sich.
Navigationssicherheit. Es geht darum, worüber das Schiff für die Fahrt in Polargewässern verfügt und wie das genutzt wird: Quellen für Eisinformationen, Mittel zum Abrufen von Vorhersagen, Einschränkungen der Ausrüstung bei niedrigen Temperaturen.
Reiseplanung. Die Überfahrt in Polargewässern muss schriftlich geplant werden, unter Berücksichtigung dessen, was in anderen Gebieten keine Rolle spielt: Eislage, Lebensräume von Meeressäugern, Entfernung zur Hilfe, Verfügbarkeit von Schutzorten.
Die britische Seeschifffahrtsbehörde hat eine eigene Anleitung zur Anwendung dieser Anforderungen veröffentlicht — MGN 637 in der geänderten Fassung. Für Schiffe unter britischer Flagge ist das die erste Pflichtlektüre; für alle anderen ein nützliches Beispiel dafür, wie der Regulierer den Kodex auslegt.
Fristen: zwei verschiedene
Hier verwechselt man leicht etwas, denn es gibt zwei Daten.
- 1. Januar 2026 — die Anforderungen sind in Kraft getreten.
- 1. Januar 2027 — die Frist für einen Teil der bereits gebauten Schiffe.
Das heißt: Ist eine Yacht früher gebaut und fällt sie in die Übergangskategorie, bleibt Zeit bis Anfang 2027. Diese Grenze muss anhand der eigenen Flagge geprüft werden: Die Anwendung der Fristen auf ein konkretes Schiff ist Sache der Flaggenstaatverwaltung, nicht einer allgemeinen Regel.
Was der Eigner tun sollte, wenn die Arktis geplant ist
Eine Reihenfolge, die Monate spart.
- Sehen Sie die GT im Vermessungszeugnis nach. Liegt sie unter 300, muss man nicht weiterlesen — aber prüfen Sie, ob das Dokument aktuell ist: Nach einem Umbau ändert sich die Raumzahl.
- Fragen Sie die Flaggenstaatverwaltung, nicht nur die Managementgesellschaft: Die Fristen für bereits gebaute Schiffe werden dort festgelegt.
- Planen Sie Zeit ein. Dokumente, Verfahren und die Prüfung der Ausrüstung sind keine Sache einer Woche. Die Vorbereitung erst im Frühjahr desselben Jahres zu beginnen, ist für eine Polarsaison zu spät.
- Prüfen Sie die Versicherung. Eine Polarüberfahrt erfordert fast immer eine gesonderte Abstimmung, und der Versicherer wird genau dieselben Dokumente verlangen.
- Verknüpfen Sie den Reiseplan mit dem tatsächlichen Fahrtgebiet. Eine allgemeine Vorlage genügt nicht: Der Sinn der Anforderung ist, dass der Plan konkrete Eisverhältnisse, Schutzorte und Entfernungen berücksichtigt.
Was der Kodex nicht regelt
Es lohnt sich, die Grenzen zu kennen. Es handelt sich um Anforderungen an Navigation und Planung, nicht an den Rumpf und nicht an die Eisklasse. Die Eisverstärkung des Rumpfes ist eine gesonderte Frage, die von der Klassifikationsgesellschaft entschieden wird und von diesen Änderungen unabhängig ist.
Und noch etwas: Die Einhaltung des Kodex macht die Überfahrt nicht sicher. Sie macht sie vorbereitet. Der Unterschied ist wesentlich, und wer seine erste Polarsaison plant, sollte ihn im Kopf behalten.
Kurz gefasst
Seit dem 1. Januar 2026 fallen Vergnügungsyachten ab 300 GT unter die Anforderungen des Polarkodex zu Navigationssicherheit und Reiseplanung; für einen Teil der bereits gebauten Schiffe gilt die Frist 1. Januar 2027. Der erste Schritt ist, das Vermessungszeugnis zu öffnen und die Bruttoraumzahl nachzusehen: Sie wird nach Volumen berechnet, nicht nach Gewicht, und fällt oft höher aus, als der Eigner erwartet.