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Der rote Knopf und was danach kommt: der DSC-Ablauf

Der DSC-Notruf ist nur die halbe Meldung. Was zu drücken ist, was per Sprechfunk auf Kanal 16 zu sagen ist, warum die Station bei einer Fehlauslösung nicht ausgeschaltet werden darf, und wie sich das alles ohne Funkbetrieb üben lässt.

12. September 2026 · 4 Min.

Auf jeder modernen UKW-Station befindet sich ein roter Knopf unter einer Abdeckung. Die meisten Eigner wissen, dass er Seenot bedeutet, und damit endet das Wissen meist schon. Der Ablauf zwischen „gedrückt" und „wir wurden gefunden" ist kurz, und man sollte ihn auswendig kennen.

Was der Knopf bewirkt

Nach der Anleitung der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (Rundschreiben MSC.1/Circ.1658) lautet die Abfolge so: Abdeckung anheben, den roten Knopf drücken und gedrückt halten, bis das akustische und optische Signal durchgehend wird — länger als drei Sekunden.

Die Station sendet ein digitales Notrufsignal (DSC) auf Kanal 70. Darin werden Ihre MMSI-Kennung und die Position übermittelt — aber die Position wird nur übermittelt, wenn die Station einen eigenen GPS-Empfänger besitzt oder an einen externen angeschlossen ist. Die US Coast Guard rät ausdrücklich, beim Kauf einer neuen Station ein Modell mit eingebautem GPS zu wählen.

Warum der Knopf allein nicht genügt

Das DSC-Signal ist ein Alarmsignal, kein Gespräch. Es enthält weder die Art der Notlage noch die Anzahl der Personen noch die benötigte Hilfe.

Deshalb sollten Sie unmittelbar nach der Übertragung das Mikrofon nehmen und per Sprechfunk auf Kanal 16 rufen. Die Küstenwache bestätigt Ihr Signal digital, sofern Sie sich in UKW-Reichweite befinden, doch die Einzelheiten erhält sie nur von Ihnen.

Der Ablauf der Sprechfunkmeldung nach demselben IMO-Leitfaden:

  • MAYDAY — MAYDAY — MAYDAY;
  • THIS IS und der Schiffsname, dreimal;
  • Rufzeichen oder eine andere Kennung, MMSI;
  • Position — Breite und Länge, und falls diese fehlt oder keine Zeit dafür bleibt, die Lage relativ zu einem bekannten Orientierungspunkt;
  • Art der Notlage;
  • welche Hilfe benötigt wird;
  • alle weiteren sachdienlichen Angaben.

Die Frequenzen sollten gut sichtbar an der Station angebracht sein: der digitale Ruf läuft über Kanal 70 und 2187,5 kHz im Mittelwellenbereich, der Sprechfunk über Kanal 16 und 2182 kHz. Und denken Sie an die Formulierung der IMO: die Notfunkbake ist ein sekundäres Alarmierungsmittel, kein Ersatz für den Ruf.

Fehlauslösung: was nicht zu tun ist

Der häufigste Fehler ist, die Station auszuschalten. Das darf man nicht tun: Die meisten Stationen setzen nach dem Wiedereinschalten die Signalübertragung fort.

Der richtige Ablauf nach der Anleitung der US Coast Guard:

  1. Die Stromversorgung nicht ausschalten.
  2. Im Menü der Station den Punkt zur Rücknahme des Notrufs suchen und die Rücknahme übermitteln.
  3. Per Sprechfunk auf Kanal 16 melden, dass das Signal zurückgenommen wurde, dabei die eigene MMSI und den Schiffsnamen nennen.

Und um die Sorge zu nehmen: Für ein versehentlich ausgelöstes Signal droht Ihnen nichts, wenn Sie es sofort zurücknehmen. Ein nicht zurückgenommenes Signal alarmiert Rettungskräfte und lenkt sie von echten Notfällen ab — das ist das eigentliche Problem.

Wenn Sie ein Signal empfangen

Auch hier ein kurzer Ablauf:

  • die Position im empfangenen Ruf prüfen, falls vorhanden;
  • Kanal 16 abhören: daraus wird klar, ob Sie helfen können;
  • die digitale Bestätigung der Küstenwache abwarten — sie hebt den Alarm auf;
  • bleibt die Bestätigung aus, das nächstgelegene Rettungsleitzentrum auf jedem verfügbaren Weg kontaktieren und melden, dass Sie den Ruf empfangen haben.

Dazu gehören auch persönliche „Mann-über-Bord"-Geräte: Viele von ihnen senden ebenfalls ein Signal, meist mit Position und auf geringe Reichweite.

Wie sich das üben lässt, ohne auf Sendung zu gehen

Das Training erfordert kein einziges reales Signal.

  1. Drucken Sie eine Ablaufkarte aus und befestigen Sie sie an der Station. Im IMO-Leitfaden ist sie genau so aufgebaut: Abdeckung, Knopf, MAYDAY-Text, Felder für Schiffsname, Rufzeichen und MMSI.
  2. Tragen Sie Ihre Daten schon vorher auf der Karte ein. Unter Stress erinnert sich niemand an die neun Ziffern der MMSI.
  3. Gehen Sie den Ablauf laut mit jedem an Bord durch: wer drückt, wer spricht, wer die Position sucht.
  4. Prüfen Sie, ob die Station ihre eigene MMSI kennt und GPS empfängt. Ein leeres Positionsfeld entdecken Sie entweder jetzt oder im ungünstigsten Moment.

Der Knopf löst den Alarm aus. Gefunden werden Sie durch das, was Sie danach sagen.

Quellen: International Maritime Organization, MSC.1/Circ.1658 „Guidance on Distress Alerts"; U.S. Coast Guard Navigation Center, Abschnitt DSC Distress.

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